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Sie war eine stolze Frau, die über Leichen ging: Agrippina, die Tochter des Feldherrn Germanicus. Der „Kaiserin aus Köln“ widmet das Römisch-Germanische Museum zu ihrem 2000. Geburtstag eine umfassende Ausstellung.[/b]

Sie sieht ganz schön mitgenommen aus. Überlebensgroß steht sie da, sichtlich malträtiert. Das Gewand abgeschrappt, auf dem Rumpf Schrammen und Blessuren, Frakturen und Risse, der rechte Arm ist unter der Achsel, der linke, angewinkelte am Ellbogen amputiert. Allein der Kopf ist, mit den ebenen Gesichtszügen und den modischen Ringellöckchen, nahezu unversehrt. Die Statue der Agrippina, aus Grauwacke, einem dunklen, harten Stein, modelliert, hat bessere Zeiten gesehen, doch die sind sehr lange her. Gleich nach ihrem Tod im Jahre 59 nach Christus war die vierte Gattin von Kaiser Claudius, ihrem Onkel, die als erste Frau vom Senat den Ehrentitel Augusta erhalten hatte, in Ungnade gefallen und ihr Standbild vermutlich aus dem Verkehr gezogen und in ein Depot verbracht worden, ehe es in der Spätantike oder im frühen Mittelalter zerstört und recycelt wurde.
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