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Beharrlich hält sich der Glaube, die Deutschen hätten "Mein Kampf" nur gezwungenermaßen besessen und oft erst gar nicht aufgeschlagen. Vieles spricht dagegen.[/b]

Zum letzten Mal spielte [i]Mein Kampf[/i] in den Nürnberger Prozessen 1945/46 eine wichtige politische und juristische Rolle. Ausgewählte Passagen wurden als Beweismaterial vorgelegt: Es habe bei den Angeklagten "eine hinreichende Vorkenntnis der ungesetzlichen Ziele der Nazi-Führung" gegeben, argumentierte der britische Hilfsankläger Elwyn Jones am 8. Januar 1946. Doch selbst glühende Nationalsozialisten wie Julius Streicher, der Herausgeber des Hetzblattes [i]Der Stürmer[/i], wollten das Buch nur teilweise gelesen haben. Dies galt auch für Albert Speer, der den Spieß sogar umdrehte. Als der russische Hilfsankläger M. Y. Raginsky ihm vorhielt, die Angriffspläne Hitlers seien in [i]Mein Kampf[/i] doch "besonders bezüglich der Sowjetunion sehr klar umrissen" gewesen, antwortete er: "Schließlich müssen ja Ihre Diplomaten auch das Buch [i]Mein Kampf[/i] gelesen haben, und sie haben ja auch trotzdem den Nichtangriffspakt abgeschlossen"...
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