Eine Klinik muss sich ihrer Rolle beim Massenmord an Kranken und Behinderten unter dem NS-Regime stellen. Nun gibt es ein Denkmal für die 1.366 Opfer.
Gerhard Schneider wuchs direkt neben der Psychiatrie Mainkofen in Niederbayern auf. Das Klinikgelände ist ein kleines Dorf, es war sein Spielplatz: Er planschte am Springbrunnen, tobte vorbei an der Kirche und den weißen Jugendstilhäusern. Als er 1981 als Verwaltungsangestellter dort anfing, war Mainkofen für ihn nur eines: die fortschrittliche Reformklinik, in der Patienten schon 1911 nicht wie Gefangene lebten. Bald entdeckte er jedoch, was es noch war: eine Tötungsanstalt.

Schneider, ein Mann mit hellblauen Augen, ist heute Verwaltungsdirektor der Klinik und kann jedem zeigen, wo diese jahrzehntelang ihre Vergangenheit versteckte: in den „Katakomben von Mainkofen“. Stickige Heizungskellerluft vermischt sich hier mit dem Geruch von Moder. Schneider öffnet eine Tür: Berge von vergilbten Akten, 1933 bis 1945.
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