SS-Schergen vertuschten die Massenmorde von Sobibór, jetzt haben zwei Wissenschaftler die Gaskammern des Vernichtungslagers ausgegraben - ein historisch bedeutender Fund. Besuch am Ort des Grauens.
Die Überreste der Todesfabrik verbergen sich tief im Wald. Es duftet nach Moos, Bäume knarren im Wind, ein Reh huscht durchs Unterholz. Der Pinienforst am alten Bahnhof von Sobibór wirkt friedlich an diesem Septembertag. Hier brachten einst SS-Offiziere und ihre Schergen Zehntausende wehrlose Juden und Roma um. Die Schlote der Krematorien rauchten monatelang.
In einer Lichtung sind frisch freigelegte Fundamente und Mauerreste zu sehen: die mutmaßlichen Überbleibsel von vier Gaskammern. Jede etwa fünf mal sieben Meter groß - Todeszellen für 70 bis 100 Menschen.

"Hier haben sie die Juden hineingetrieben", sagt Yoram Haimi und zeigt auf eine Lücke zwischen den rötlichen Ziegeln. "Und da stand wahrscheinlich der Motor, dessen Abgase sie in die Kammern geleitet haben", sagt Wojciech Mazurek. Vor Aufregung über den historisch so bedeutsamen Fund fallen sich die beiden Archäologen aus Israel und Polen ständig ins Wort.

In den vergangenen Tagen haben Haimi, 53, und Mazurek, 54, die Gaskammern von Sobibór ausgegraben. 71 Jahre nachdem die Nazis das Vernichtungslager zerstörten, in dem sie zwischen 170.000 und 250.000 Menschen umgebracht hatten. Haimi und Mazurek haben aufgedeckt, was die Täter zugeschüttet haben. Ihre Funde werden das Grauen von Sobibór greifbar machen.
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