[b]
Sich öffnen und mit Japan abrechnen: Dass Chinas Erwartungen an die Friedensverhandlungen von Versailles 1919 enttäuscht wurden, besiegelte den Weg in den Kommunismus. Von Niklas Leverenz.[/b]

Wellington Koo war das Küken in der Runde der überwiegend älteren Herren, die ab dem 18. Januar 1919 in Versailles die Friedensverhandlungen nach dem Ersten Weltkrieg führten. Gerade mal 30 Jahre alt war er, aber an der Columbia University in New York promoviert und seit 1915 chinesischer Gesandter in den USA.

Koo war einer der besten internationalen Politiker Chinas und ein typischer Vertreter seiner Generation. Ab 1895 schnellte die Zahl junger Chinesen, die im Ausland studierten, steil nach oben. Das Land, welches jahrhundertelang sich selbst genügt hatte, durchströmte ein internationaler, am Westen orientierter Geist. 1901 wurde erstmals ein Außenministerium gegründet, eine Forderung der Siegermächte nach Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstandes in den Jahren 1900 und 1901.

Als Vertreter Chinas forderte Koo in den Versailler Verhandlungen insbesondere die Rückgabe des deutschen Pachtgebiets Tsingtau (damals Kiautschou).
Weiterlesen »