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Als Baby auf den Thron, mit sechs Jahren davongejagt: 1912 wurde Puyi, der letzte Kaiser von China, abgesetzt. Der gefallene "Sohn des Himmels" kämpfte um seine Rückkehr, zweimal wurde er noch Kaiser - und blieb dennoch zeitlebens eine unmündige Marionette. [/b]

Beklagen konnte sich Puyi eigentlich nicht. 1000 Pfund Fleisch und 240 Stück Geflügel wurden jeden Monat für ihn bereitgestellt, jeden Mittag kreierte ein Heer aus Köchen Dutzende exquisite Gerichte, die auf Silbertellern gereicht wurden. Doch Puyi aß kaum etwas. Schließlich war er erst drei Jahre alt. Aber Kaiser von China, "Sohn des Himmels", Mittelpunkt der Welt.

In den folgenden Jahren wurde Puyi täglich in eine neue gelbe Seidenrobe mit Drachenmuster gesteckt und in Sänften durch die Verbotene Stadt in Peking getragen. Auf Ausflügen folgte ihm stets eine endlos lange Prozession aus Eunuchen, die alles mitnahm, was er brauchte und nicht brauchte: Kleider, Gebäck, Tee, das "Elixier der Drei Unsterblichen Genien" (eine Verdauungsspille), sogar seinen Nachttopf. Und auch beim Spielen setzte dem Kind niemand Grenzen.

Erlaubt war, was er wollte. Diener zwingen, Dreck aufzufressen. Sie auspeitschen zu lassen, sie mit eiskaltem Wasser bis zur Bewusstlosigkeit abzuspritzen, ihnen Eisenspäne auf den Kuchen zu streuen, mit dem Luftgewehr auf ihre Fenster zu ballern.

[b]Unmündige Marionette[/b]

So gesehen fehlte es Puyi an nichts. Und doch an allem. An einer echten Kindheit etwa. An der Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben, Entscheidungen ohne all die Berater, Schmeichler und Einflüsterer zu treffen. Den Kaiserpalast in Peking bezeichnete er später als seinen Kerker. Puyi war auf dem Papier der mächtigste Mann seines Landes - und sollte doch zeitlebens eine unmündige Marionette bleiben: erst die seines Hofstaats, dann die der Japaner und zuletzt die der Kommunisten.
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