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Im August 1910 annektierte Japan offiziell Korea. Es war der Anfang eines langen Leidenswegs.[/b]

Yu Chun-sung kam am Morgen des 6. August 1945 in Hiroshima an. Er gehörte zu jenen Hunderttausenden aus der Kolonie Korea, die in Japan lebten und für die Kriegsindustrie schuften mussten. Es war Viertel nach acht, als er aus dem Zug stieg. Im nächsten Moment erfasste ihn ein sengender Blitz. Geblendet stolperte über die Gleise, rannte weiter bis zu einer Anhöhe und verkroch sich in einer halb zerstörten Bauernkate. Nach 24 Stunden brachten ihn Retter auf einem Lkw in ein Hospital. Man bedeckte sein Gesicht mit einem ölgetränkten Mullverband. Wenige Tage später wimmelten Maden in den Brandwunden.
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Doch anders als Zehntausende Koreaner, die sich ebenfalls in Hiroshima und Nagasaki befanden und deren Leben die Atombomben auslöschten, sah der damals 28-jährige Yu die Heimat wieder. Er fand ein kurzes Glück als Gemüsehändler. Von 1950 an begann er Blut zu speien. Seine Frau brachte zwei fehlgebildete Kinder zur Welt. 1970 glich Yu einem Gespenst, der spindeldürre Körper bog sich unter Krämpfen zusammen. 1972 erlöste Yu Chun-sung der Tod.

Sein Schicksal gehört zu den späten Folgen eines Dramas, das schon im 19. Jahrhundert begann.
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